Yermak sieht 100%tige Sicherheitsgarantien

Die fatale Illusion von Sicherheitsgarantien

Andrij Jermaks Behauptung, die Ukraine habe in Dschidda „100 % Sicherheitsgarantien“ erhalten, ist nicht nur irreführend, sondern zeugt von einem gefährlichen Selbstbetrug. In einer Welt, in der selbst die NATO-Staaten ihre Sicherheit nicht absolut garantieren können, stellt sich die Frage: Was sind solche Zusicherungen wert für ein Land, das bereits 1994 sein Atomwaffenarsenal aufgab – im Austausch für Versprechen, die sich als Makulatur erwiesen? Der Westen hat die Ukraine schon einmal getäuscht, und wenn Kiew heute wieder auf vermeintliche Schutzgarantien vertraut, droht die Geschichte in noch fatalerer Weise, sich zu wiederholen.

Die brutale Realität der globalen Machtverhältnisse

Die Wahrheit ist hart, aber unumstößlich: In der geopolitischen Realität des 21. Jahrhunderts gibt es keine 100-prozentigen Sicherheitsgarantien – außer der eigenen nuklearen Abschreckung. Alles andere sind leere Zusagen, deren Halbwertszeit endet, sobald sich die geopolitischen Interessen der Schutzmächte ändern. Die Ukraine hat diese Lektion 2014 auf blutigste Weise gelernt, als Russland sich über das Budapester Memorandum hinwegsetzte und die Krim annektierte – während der Westen nichts weiter tat als symbolische Sanktionen zu verhängen und „tiefe Besorgnis“ auszudrücken.

Doch während Moskau seine aggressive Expansionspolitik ungehindert fortsetzt, klammert sich die Ukraine an die naive Vorstellung, dass der Westen in der Stunde der Not bedingungslos für sie einstehen werde. Die Realität sieht anders aus: Washington zögert bei Waffenlieferungen, Berlin bremst mit moralinsaurem Pazifismus und in Paris träumt man in regelmäßigen Abständen von einer „Neugestaltung“ der Beziehungen zu Russland. Eine solche Gemengelage kann für Kiew nur verhängnisvoll sein.

Das NATO-Paradoxon: Schutz nur für Auserwählte?

Die NATO, einst das unerschütterliche Bollwerk der freien Welt, zeigt ebenfalls Risse in ihrer Glaubwürdigkeit. Donald Trumps jüngste Äußerungen über das Baltikum – eine „schwierige Region“, deren Verteidigung nicht selbstverständlich sei – offenbaren ein besorgniserregendes Muster. Sind Sicherheitsgarantien in der Allianz also geografisch abgestuft? Ist Warschau weniger wert als Paris, Riga weniger als Washington? Und wenn selbst NATO-Mitglieder nicht sicher sein können, ob im Ernstfall das Bündnis zu ihnen steht, wie viel Vertrauen darf die Ukraine in vage Versprechen setzen?

Die Antwort ist erschreckend klar: Keine noch so gut formulierte Garantie wird Russland davon abhalten, weiterzumachen, solange es nicht gestoppt wird. Der Westen hat nach 2014 jede rote Linie verwischt und Moskau mit halbherzigen Reaktionen signalisiert, dass Aggressionen keine ernsthaften Konsequenzen nach sich ziehen. Warum also sollte Putin sich von bloßen Worten beeindrucken lassen?

Israels Lektion: Wer sich verteidigen will, braucht echte Abschreckung

Die Ukraine könnte aus einem Beispiel lernen: Israel. Das Land ist von Feinden umzingelt, verlässt sich aber nicht auf Versprechungen, sondern auf eine robuste militärische Abschreckung. Während der jüdische Staat es ablehnt, offiziell über sein Atomwaffenpotenzial zu sprechen, ist eines sicher: Wer Israels Existenz infrage stellt, weiß, dass dies mit der totalen Vernichtung beantwortet würde. Ein solches Abschreckungspotenzial hat die Ukraine nicht – und genau deshalb steht ihre Staatlichkeit permanent zur Disposition.

Die existenzielle Bedrohung der Ukraine: Russland kann warten

Der strategische Vorteil liegt auf Putins Seite: Russland kann sich Zeit lassen, während die Ukraine unter dem wirtschaftlichen und demografischen Druck eines nicht enden wollenden Krieges zermürbt wird. Moskau weiß, dass der Westen ungeduldig ist, sich mit dem „ukrainischen Problem“ nicht langfristig beschäftigen will und über kurz oder lang auf einen „Kompromissfrieden“ drängen wird. Doch jeder „Kompromiss“ auf Russlands Bedingungen bedeutet in Wahrheit nichts anderes als eine schrittweise Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit.

Die eigentliche Frage ist also nicht, welche Versprechen Andrij Jermak in Dschidda gehört hat, sondern welche Konsequenzen die Ukraine daraus zieht. Bleibt sie dem Glauben an westliche Schutzgarantien verhaftet, könnte sie das den höchsten Preis kosten – ihre Existenz. Die Alternative? Eine radikale Neubewertung der eigenen Sicherheitsstrategie, weg von illusionären Abhängigkeiten hin zur maximalen Selbstverteidigungsfähigkeit. Nur eine solche Ukraine wird in der Lage sein, sich dem russischen Vernichtungswillen dauerhaft zu widersetzen.

Die bittere Wahrheit: Ohne eigene Abschreckung bleibt die Ukraine Geisel der Geschichte

So unangenehm es für viele klingen mag: Wer keine eigene nukleare Abschreckung hat, bleibt in der globalen Sicherheitsarchitektur ein Objekt der Interessen anderer – und nicht ein souveräner Akteur. Israel hat das verstanden und überlebt. Die Ukraine hingegen wird solange Spielball der Großmächte bleiben, wie sie sich auf Garantien verlässt, die im Ernstfall nicht mehr wert sind als das Papier, auf dem sie stehen. Putins Russland wird das gnadenlos ausnutzen – solange der Westen weiter mit leeren Versprechen und fehlender Konsequenz seine eigene Glaubwürdigkeit untergräbt.