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Trumps Gespräch mit Putin
Ein „Friedensplan“ als Kapitulationserklärung
Während der Westen noch immer in naiver Hoffnung verharrt, Donald Trump könnte den russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich beenden, offenbart sich einmal mehr, dass der ehemalige und erneut ins Amt gehievte US-Präsident nicht als Friedensstifter, sondern als willfähriger Vollstrecker von Wladimir Putins Agenda agiert. Seine Entscheidung, nach den gescheiterten Verhandlungen in Dschidda direkt mit dem Kreml-Herrscher zu sprechen, ist weniger Ausdruck diplomatischer Initiative als vielmehr eine Kapitulationserklärung vor Moskaus Erpressung.
Putins Drehbuch: „Verhandlungen“ als Demütigung der Ukraine
Dass Trump bereits im Vorfeld signalisierte, die Ukraine sei „bereit“ für einen Waffenstillstand, ist eine groteske Verdrehung der Realität. Es ist nicht die Ukraine, die Frieden ablehnt – es ist das russische Regime, das keinen Waffenstillstand will, solange er nicht faktisch die Zerschlagung der ukrainischen Staatlichkeit beinhaltet. Bereits die erste Begegnung zwischen Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und Putin war eine Inszenierung russischer Überlegenheit: Witkoff wurde in Moskau tagelang hingehalten – ein bewusster Akt der Demütigung, um zu zeigen, wer hier wirklich die Bedingungen diktiert.
Trump, der sich über die Berichterstattung über diese Schmach empörte und in gewohnter Manier Journalisten als „Degenerierte“ diffamierte, versucht nun, mit einem persönlichen Gespräch mit Putin das Debakel zu überdecken. Doch das Ziel Moskaus ist klar: Trump soll nicht Putin zu einem Waffenstillstand bewegen – vielmehr soll er die Ukraine unter Druck setzen, ihre Waffen niederzulegen. Genau das deutet sich an, wenn Trumps Verhandler von wirtschaftlichen „Anreizen“ sprechen, mit denen Kiew „motiviert“ werden soll, den Krieg zu beenden. Tatsächlich ist das nichts anderes als eine US-gestützte Kapitulationserklärung an Putin.
Russlands Bedingungen: Eine Falle für Kiew, ein Triumph für Moskau
Putins Forderungen sind ein altbekanntes Diktat: Die Ukraine soll ihre Mobilmachung einstellen, westliche Waffenlieferungen müssen beendet werden, und ein 30-tägiger „Waffenstillstand“ soll – ohne Sicherheitsgarantien für Kiew – die Ukraine entwaffnen, während Russlands Rüstungsindustrie ungehindert weiterläuft. Dieses Angebot ist kein „Frieden“, sondern die schrittweise Exekution eines besiegten Staates.
Trump, der sich als großer Dealmaker inszeniert, erkennt dabei nicht – oder will nicht erkennen –, dass Russland nicht an Verhandlungen im westlichen Sinne interessiert ist. Das Ziel ist nicht eine Friedenslösung, sondern ein strategisches „Innehalten“, in dem sich die russische Kriegsmaschinerie regenerieren kann, bevor sie mit neuen Offensiven fortfährt. Wer glaubt, Moskau werde sich mit einer territoriale Teilung zufriedengeben, ignoriert die Tatsache, dass Putins Ziel die vollständige Vernichtung der Ukraine ist.
Trumps Spielraum: Zwischen Ohnmacht und Erpressung der Ukraine
Tatsächlich verfügt Trump über kaum wirkungsvolle Druckmittel gegen Putin. Wirtschaftssanktionen haben sich als stumpfes Schwert erwiesen, da Russland sich zunehmend auf China und den Globalen Süden stützt. Und militärische Drohungen? Undenkbar für einen Präsidenten, dessen politische Basis kriegsmüde ist und der keine Eskalation mit Russland riskieren will. Somit bleibt ihm nur eine Option: die Ukraine selbst unter Druck zu setzen.
Sollte Trump die militärische Hilfe für Kiew einstellen, wäre das ein Signal an Europa, dass es seine Unterstützung ausbauen muss. Doch genau das will Trump vermeiden – denn ein eigenständig agierendes Europa unterminiert seine geostrategische Kontrolle. Wahrscheinlicher ist, dass er die Ukraine in eine Zwangslage manövrieren will: Entweder ein „Frieden“ zu Putins Bedingungen oder der Entzug aller westlichen Hilfen.
Zwei Szenarien: Die Ukraine als Spielball Putins und Trumps
1️⃣ Trump erkennt, dass Putin ihn nicht ernst nimmt, und verhängt neue Sanktionen.
Doch Sanktionen allein werden Putin nicht in die Knie zwingen – bestenfalls führen sie zu einem längeren Krieg, der sich bis in die 2030er Jahre zieht. Erst wenn Moskau merkt, dass es wirtschaftlich tatsächlich an die Wand gedrückt wird, könnte eine echte Verhandlungsperspektive entstehen. Doch das setzt eine langfristige, konsequente Politik voraus, für die Trump keine Geduld hat.
2️⃣ Trump kapituliert vor Putin und zwingt Selenskyj zur Annahme eines „Friedensdeals“.
Das wäre das schlimmste Szenario: Die Ukraine würde entwaffnet, Russland könnte sich neu formieren und in wenigen Jahren eine noch größere Offensive starten. Gleichzeitig würde Trump in den Augen der Welt als schwacher Führer dastehen – mit erheblichen Konsequenzen für seine innenpolitische Position.
Putins strategische Agenda: Der 9. Mai als Triumphfest
Während Trump mit dem 30. April als symbolische Marke seiner ersten 100 Tage im Amt operiert, plant Putin bereits seinen nächsten Coup: den 9. Mai, den Tag des sowjetischen Sieges im Zweiten Weltkrieg. An diesem Tag will er neben Chinas Präsident Xi Jinping auf der Bühne der Macht stehen – am liebsten mit einem „Friedensvertrag“, der de facto die Ukraine an Russland ausliefert. Sollte Trump sich gar zu einem Besuch in Moskau hinreißen lassen, wäre das die ultimative Demütigung des Westens und ein propagandistischer Triumph für den Kreml.
Fazit: Ein „Friedensplan“ als Unterwerfungsgeste
Trump präsentiert sich als Verhandler, doch in Wahrheit steht er vor einer Wahl zwischen Ohnmacht und Mitwirkung an der Zerschlagung der Ukraine. Ein Waffenstillstand ohne Sicherheitsgarantien wäre nichts anderes als die Vorbereitung auf den nächsten russischen Angriff. Putin strebt keinen Frieden an, sondern einen strategischen Sieg.
Die Frage ist nicht, ob Trump Putin zu Verhandlungen bewegen kann – sondern ob Trump bereit ist, die Ukraine zu opfern, um sich als „Friedensmacher“ zu stilisieren. Das wahre Ziel Moskaus ist längst offensichtlich: eine entwaffnete, unterwürfige Ukraine, die in eine russische Einflusszone zurückgedrängt wird, und nach Möglichkeit komplett in Russland aufgelöst wird. Alles andere ist Illusion.
Morgen werden wir wissen, ob Trumps Gespräch mit Putin eine historische Wende oder ein weiterer Schritt in die geopolitische Katastrophe war.