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Trumps Waffenstillstand-Farce
Warum dieses Theater Putins Zerstörungswillen nur kaschiert
Wer das jüngste diplomatische Geplänkel zwischen Trump, Putin und Selenskyj verfolgt, könnte meinen, hier bahne sich eine Art Friedensschluss an. Doch in Wahrheit enthüllt diese Verhandlungs-Farce das gewohnte Muster: Trump stilisiert sich als genialer Dealmaker, während Russlands Präsident Wladimir Putin ungerührt an seiner Vernichtungsstrategie gegen die Ukraine festhält.
Putins brüskierende Geringschätzung Trumps
Russland lässt keine Gelegenheit aus, den US-Präsidenten offen zu demütigen und seine Scheininitiativen zu desavouieren. Kreml-Berater Juri Uschakow bekräftigte erst kürzlich, Putin werde keinen vorübergehenden Waffenstillstand akzeptieren, weil er die restlose Zerschlagung der ukrainischen Staatlichkeit zum Ziel hat. Währenddessen begnügt sich Trump damit, Selenskyj ein paar vage Versprechen bzgl. AKWs zu machen, um vor heimischem Publikum nicht als außenpolitischer Versager dazustehen. Putin hingegen setzt auf eine simple Logik: Solange Trump öffentlich auf raschen „Frieden“ drängt, glaubt der Kreml, ihn finanziell oder durch aussichtsreiche Geschäfte gefügig machen zu können. Aus Putins Sicht verhält sich der einstige Immobilienmogul wie ein Geschäftspartner, den man einfach zu korrumpieren versucht, anstatt mit ihm ernsthaft zu verhandeln.
Diese Herangehensweise ist tief in Putins Weltbild verankert: Politik ist für ihn ein groß angelegtes, korruptes Tauschgeschäft. Dass Trump so tickt wie er selbst – also jederzeit bereit, eigene Prinzipien für finanzielle Vorteile über Bord zu werfen –, ist für den Kremlchef ein gefundenes Fressen. Moskau wittert das Momentum, Trump via Hinterzimmerangebote zur Aufgabe der Ukraine zu bewegen. Die Botschaft lautet: „Ihr wollt eure Deals, wir wollen die ganze Ukraine – und Europa schaut ratlos zu.“
Scheindiplomatie in Dschidda: Eine Nebelkerze
Um sein Scheitern zu verdecken, greift Trump zu inszenierten Verhandlungen, wie zuletzt in Saudi-Arabien. Dort trafen ukrainische und amerikanische Delegationen zusammen, angeblich um einen befristeten Waffenstillstand auszuloten. In Wirklichkeit ging es nur darum, Trumps Ansehen zu retten und den Eindruck zu erwecken, die USA würden aktiv vermitteln. Jede ernsthafte Einbindung Russlands jedoch fehlt; Putin signalisierte von vornherein glasklar, dass er nicht mal einen 30-tägigen Waffenstillstand billigt.
Warum also dieser Aufwand? Offenbar wollte man im Weißen Haus verschleiern, dass Trump keinerlei wirksamen Hebel gegen Russland hat – oder dass er schlicht nicht willens ist, den Kreml ernsthaft unter Druck zu setzen. Echte Sanktionen gegen Moskau sind unter Trump durch Selbstsabotage hintergangen worden oder existieren nur als Ankündigung. Ein Ausbau der militärischen Unterstützung für Kiew steht ebenfalls in den Sternen. Dabei wäre Letzteres das Einzige, was Putins Kalkül stören könnte.
Putins Verachtung für den „Dealmaker“
Dass der Kreml mitten in Trumps Friedensposse lauthals betont, er strebe „keinen vorübergehenden Waffenstillstand, sondern eine langfristige Lösung“ an, bedeute in Putin-Sprache nichts anderes als: Wir wollen die Ukraine restlos unterwerfen. Trump hat sich selbst in die Defensive manövriert, indem er öffentlich versprochen hat, den Krieg schnell beenden zu können. Nun trampelt Moskau auf ihm herum, weil Putin fest davon ausgeht, der US-Präsident werde alles tun, um sein Scheitern nicht eingestehen zu müssen – im Zweifelsfall also die Ukraine fallenlassen.
Selenskyjs taktisches Manövrieren
Der ukrainische Präsident Selenskyj weiß, dass er Trumps gestenreiche, aber realitätsferne Avancen nicht offensiv zurückweisen kann, ohne die überlebenswichtige US-Unterstützung zu riskieren. Folglich ringt er sich zu höflichen Danksagungen für jedes Gespräch durch, während er gleichzeitig kühlen Kopf bewahrt. Selenskyj erkennt, dass Putin erneut eine inszenierte Waffenruhe zur Umgruppierung und Angriffsvorbereitung nutzen würde. Deshalb ist ein „Faustpfand“ – in Form wirkungsvoller Sanktionen und umfassender Verteidigungshilfen des Westens – entscheidend. Doch diese bleibt Trump schuldig.
Derweil verbreiten Trumps Leute die Illusion, ein 30-tägiger Waffenstillstand stünde kurz bevor, um Trumps Verhandlungsgeschick zu rühmen. Russland konterkariert dies mit Drohnenangriffen und Beschuss – eine Lachnummer auf Kosten der Ukraine.
Westliche Sanktionen: Halbherzig und folgenlos
Immer noch halten viele im Westen, inklusive Trump-Beratern, an der Hoffnung fest, Wirtschaftssanktionen könnten Putin bald in die Knie zwingen. Dabei haben die vergangenen drei Jahre eindrücklich gezeigt, dass der Kreml seine Einkünfte mithilfe verschiedenster autokratischer Partner – allen voran China – relativ stabilisiert. Sanktionen mögen langfristig Wirkung entfalten, doch Trump hat gerade keine Zeit für langfristige Strategien. Er will schnelle Deals und Fotoshootings mit Putin. Genau das macht ihn zum leichten Ziel für den Kreml.
Ein neuer Tiefpunkt internationaler Diplomatie
All das führt uns zu einer deprimierenden Bilanz: Der russische Vernichtungsfeldzug wird weitergehen, weil Putin auf US-Seite keine konsequente Gegenmacht erkennt. Trump, gefangen in seinem Image als eifriger Friedensbringer, tritt seine einzige potenzielle Stärke – echte Sanktionen und militärischen Druck – freiwillig an Putin ab. Indem er Selenskyj bei jeder Gelegenheit harsch kritisiert oder ihm gar verdeckt die Schuld am Krieg zuschieben will, stellt er die Allianz mit dem wichtigsten Opfer von Russlands Aggression infrage.
Trump kann mit Putin telefonieren so oft er will, Putin wird ihn eh nur wieder vorführen und dabei höchstens ein paar nichtssagende Zugeständnisse in Aussicht stellen, die keinerlei militärische Substanz haben. Am Ende verfestigt sich Putins Kalkül, die Ukraine in eine hoffnungslose Position zu bomben. Der Kreml rechnet fest damit, dass Trump jederzeit bereit ist, die Ukraine dafür zu opfern, um vor der US-Öffentlichkeit als „Deal President“ dazustehen.
Fazit: Gefährliche Naivität und Russlands ungebremste Aggression
Die Geschehnisse rund um das angebliche „Waffenstillstandsangebot“ zeigen exemplarisch: Wer in Putins imperialer Expansionsagenda einen verlässlichen Verhandlungspartner sieht, verwechselt Wahn und Wirklichkeit. Der Kreml diktiert Bedingungen, die faktisch nur die bedingungslose Zerschlagung der Ukraine bedeuten. Und während Trump davon redet, er könne alles mit seinem Charme regeln, vergeht kostbare Zeit, in der die russische Maschinerie unverändert Städte zerbombt und Menschen verschleppt.
So bleibt die bittere Erkenntnis: Solange Trump nicht bereit ist, Russlands Aggression durch entschlossene Sanktionen und weitere Unterstützung für Kiew entschlossen zu kontern, wird Putin keinerlei Grund sehen, seine Kriegsziele zu mäßigen. Wer diesen fundamentalen Zusammenhang ignoriert, trägt dazu bei, das Schlachtfeld zum Schauplatz von Putins ungebremstem Vernichtungswillen werden zu lassen. Die Ukraine braucht eine Welt, die ihr wirklich beisteht – nicht bloß ein zynisches Theater, in dem Moskau über scheinheilige „Friedensideen“ lacht und der US-Präsident lieber sein eigenes Image pflegt, als die Verteidiger einer freien, souveränen Nation zu stärken.
So zeigt sich abermals: Putins Terrortrieb ist unstillbar, und Trump liefert eine hilflose Inszenierung, um sich innenpolitisch als Großmeister der Diplomatie darzustellen. Für die Ukraine wie für die europäische Sicherheit ist das ein Fiasko. Mögen die westlichen Demokratien endlich aufwachen und die Konsequenzen ziehen – ehe sie gemeinsam in den Abgrund von Putins Machtansprüchen stürzen.