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Russland bereitet die Sabotage der Verhandlungen vor
Trump muss sich entscheiden, wem er die Schuld daran geben wird
Kaum hatte der Kreml neue Raketen auf ukrainische Wohngebiete abgefeuert, meldete sich die notorische Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, mit der bizarren Behauptung zu Wort, die Ukraine sabotiere den Verhandlungsprozess durch Angriffe auf russische Energieanlagen und zivile Infrastruktur. Als wolle man in Moskau die Realität vollends auf den Kopf stellen, warf Sacharowa Kiew einen Bruch bislang erzielter Vereinbarungen vor und drohte mit "symmetrischen Maßnahmen".
Tatsächlich war es Russland selbst, das wenige Stunden zuvor massive Luftangriffe auf ukrainische Städte wie Odessa, Saporischschja und Kropywnyzkyj verübt hatte. Die dabei angerichtete Zerstörung von Wohnvierteln ist Teil der systematischen Terrorkampagne des Kremls gegen die ukrainische Zivilbevölkerung – ein Kriegsverbrechen, das zur Taktik dieses Vernichtungskriegs gehört.
Während Moskau also selbst gezielt Wohngebiete in der Ukraine ins Visier nimmt, versucht es nun, mit haltlosen Behauptungen von angeblichen ukrainischen Angriffen auf russische Wohngebiete von der eigenen Verantwortung abzulenken. Der Kreml rechtfertigt seine Angriffe mit der irreführenden Behauptung, man beschieße nur Energieinfrastruktur. Wenn aber ukrainische Drohnen tatschächlich Energieanlagen in Russland treffen, wertet man dies plötzlich als Angriff auf Zivilisten. Die absurde Asymmetrie dieser Argumentation offenbart sich an der russischen Reaktion auf Zwischenfälle nahe der Grenze, etwa im Gebiet von Sudscha, wo der Kreml prompt von Sabotageakten oder ukrainischem Terror spricht – ohne Beweise, dafür mit propagandistischer Wucht.
Die Strategie dahinter ist klar: Russland will sich jeder selbst auferlegten Zurückhaltung entledigen. Angebliche ukrainische Provokationen dienen dem Kreml als Vorwand, bestehende Absprachen zu unterlaufen. Schon in früheren Phasen des Kriegs hatte Moskau in Momenten diplomatischer Annäherung bewusst Provokationen inszeniert, um sich aus mühsam erzielten Vereinbarungen herauszustehlen. Man erinnere sich nur an die Bombardierung ukrainischer Häfen nur Stunden nach dem Weizendeal. So lange ist es nicht her.
Auch das sogenannte "Energie-Waffenstillstandsabkommen", auf das sich Trump und Putin in einem früheren Telefonat mündlich geeinigt haben sollen, dient offensichtlich weniger der Deeskalation als vielmehr der propagandistischen Kulisse für neue Eskalationsschritte Moskaus. Denn Putins Ziel bleibt unverändert: die militärische, politische und ökonomische Zerschlagung der Ukraine.
Doch Donald Trump, der sich in einem zweiten Telefongespräch mit dem russischen Machthaber erneut eine Abfuhr holte, will von Putins destruktiver Agenda nichts wissen. Stattdessen präsentiert er sein wiederholtes Scheitern als angeblichen diplomatischen Erfolg. Dabei ist längst klar, dass Trump weder gewillt noch fähig ist, Druck auf Putin auszuüben. Auf die Frage amerikanischer Journalisten, ob er nach den neuen russischen Angriffen auf ukrainische Städte Sanktionen verhängen werde, antwortete Trump lapidar: "Die kämpfen halt gegeneinander."
Diese demonstrative Gleichsetzung von Aggressor und Opfer ist nicht bloß zynisch, sondern gefährlich. Sie ermutigt das Putin-Regime, seine brutalen Angriffe fortzusetzen. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten die Verbrechen des Kremls mit einem Achselzucken quittiert, ist das faktisch ein Freibrief für weitere Gräueltaten.
Längst sind die Gespräche zwischen Moskau und Washington zu einer Farce verkommen. Die russische Delegation, bestehend aus altgedienten, aber politisch bedeutungslosen Figuren wie dem pensionierten Diplomaten Karasin und dem Versager-FSB-General Beseda, hat weder Entscheidungsgewalt noch Zugang zur Machtzentrale im Kreml. Ihre Aufgabe ist es, den Anschein eines Verhandlungsprozesses aufrechtzuerhalten – während Russland zugleich seinen Vernichtungskrieg unvermindert fortsetzt.
Das eigentliche Ziel des Kremls besteht darin, Zeit zu gewinnen: für neue Offensiven, für die Demoralisierung der ukrainischen Gesellschaft, für das Ausloten der Bruchstellen im westlichen Lager. Dass Trump diesen absurden Prozess nicht nur toleriert, sondern aktiv mitträgt, macht ihn zum Komplizen dieser Strategie.
Denn wer sich, wie Trump, weigert, Putins Eskalationslogik beim Namen zu nennen, sondern stattdessen die Ukraine unter Druck setzt, sich den Forderungen des Aggressors zu beugen, der hat jede moralische und politische Autorität verloren. Statt Druck auf Moskau auszuüben, versucht die US-Administration, Kiew zu Zugeständnissen zu bewegen: keine Angriffe auf russische Energieinfrastruktur, Aussetzen der Mobilmachung, Drosselung der Waffenhilfe durch den Westen. Das ist keine Friedensstrategie, sondern eine Kapitulationsagenda im Gewand der Diplomatie.
Es ist daher keine Übertreibung zu sagen: Die Vereinigten Staaten, angeführt von einem Präsidenten, der Putin nicht konfrontiert, sondern beschwichtigt, machen sich mitschuldig an der Fortsetzung dieses Vernichtungskriegs. Die Ukraine soll in einem inszenierten "Verhandlungsprozess" zermürbt werden, bis sie am Ende keine Wahl mehr hat, als den Bedingungen Moskaus zuzustimmen.
Doch wer die Verantwortung für Putins Krieg nicht klar benennt, wer die Ukraine auf dem Altar vermeintlicher Stabilität opfert, untergräbt die Grundlagen der internationalen Ordnung. Frieden entsteht nicht durch Appeasement, sondern durch Klarheit, Konsequenz und Entschlossenheit gegenüber der Aggression. Und die beginnt mit der unmissverständlichen Erkenntnis: Nicht Kiew torpediert die Verhandlungen. Es ist Moskau, das sie von Anfang an als Teil seiner Kriegsstrategie instrumentalisiert.