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China antwortet Trump
Und bereitet die Welt auf den großen Bruch vor
Mit einem drastischen Schritt hat die Volksrepublik China nun auf die jüngste protektionistische Attacke von US-Präsident Donald Trump reagiert: Ab dem 9. April belegt Peking sämtliche US-Produkte mit Strafzöllen in Höhe von 34 Prozent – ein spiegelbildlicher Gegenzug auf die von Trump verhängten Maßnahmen. Doch während sich südostasiatische Länder darum bemühen, sich durch Zugeständnisse gegenüber Washington etwa in Form zusätzlicher Warenkäufe vor dem Zorn des neuen US-Herrschers zu schützen, wählt Xi Jinping bewusst den Konfrontationskurs.
China signalisiert damit: Mit dem erratischen US-Präsidenten ist kein Interessenausgleich möglich, schon gar nicht zu Bedingungen, die Pekings strategischen Ambitionen im indo-pazifischen Raum entgegenstünden. Trump, der sich weiterhin als großmäuliger Nationalökonom inszeniert, ohne die geopolitischen Folgen seines ökonomischen Chauvinismus zu bedenken, hat damit nicht nur das transatlantische Bündnis beschädigt, sondern treibt nun auch Asien in die Arme Pekings.
Der Strategiewechsel Pekings: Von Nachgiebigkeit zur offenen Konfrontation
Während Chinas Führung unter Trumps erster Präsidentschaft noch auf Ausgleich und Verhandlung setzte, verfolgt Xi Jinping nun eine Strategie, die sich treffend mit den Worten eines chinesischen Diplomaten beschreiben lässt: Man schneidet sich die Hand ab, um die Schlacht zu überleben. Die KP Chinas bereitet ihre Bevölkerung auf eine Phase ökonomischer Schmerzen vor – allerdings nicht, um Verantwortung für die massiven Fehlentscheidungen der letzten Jahre, etwa die katastrophalen Lockdown-Maßnahmen, zu übernehmen. Vielmehr wird die Schuld Washingtons „Aggression“ zugeschoben – ein klassisches propagandistisches Manöver autoritärer Regime zur Mobilisierung des inneren Patriotismus gegen den äußeren Feind.
Hier zeigt sich die alte leninistische Technik: Die Bevölkerung wird durch bewusste Eskalation von außen unter der Knute der Parteiherrschaft diszipliniert. Die Schuld an der Krise wird externalisiert – in diesem Fall an den „imperialistischen“ USA – während das eigene Machtmonopol zementiert wird.
Pekings strategische Neuausrichtung: Der kalkulierte Bruch mit dem US-Markt
Dass diese Eskalation keine Affekthandlung ist, sondern Teil eines längerfristigen Plans, zeigt sich an Chinas wirtschaftspolitischer Weichenstellung. Der Bruch mit dem amerikanischen Markt war offenbar bereits vorprogrammiert – man rechnet in Peking nicht mehr mit verlässlichen Handelsbeziehungen zu einem unter Trump zur Bananenrepublik degenerierenden Amerika. Stattdessen setzt Xi auf Diversifikation: Die Europäische Union und südostasiatische Märkte sollen künftig die Rolle einnehmen, die vormals die USA innehatten. Die Zeiten, in denen China vom Zugang zum westlichen Massenkonsum lebte, neigen sich dem Ende zu – auf Druck Trumps, aber kalkuliert genutzt von einem Regime, das längst in einem autoritären Weltordnungskrieg steht.
Geopolitische Ambition: Die Verdrängung der USA aus Asien
Dabei ist Pekings Ziel längst nicht nur ökonomischer Natur. Xi Jinping nutzt Trumps destruktive Zolleskalation, um die amerikanische Präsenz in Asien gezielt zu unterminieren – im Gleichklang mit dem Kreml, der in Europa dasselbe Ziel verfolgt. Während Putin auf militärische Eskalation, nukleare Erpressung und territoriale Vernichtung setzt, wählt Xi die subtilere Methode des wirtschaftlichen Dominanzaufbaus. Die Botschaft an die asiatischen Nachbarn ist klar: Wer Stabilität will, braucht China – nicht die erratisch taumelnden USA unter einem Präsidenten, der Bündnisse verachtet.
Die Erosion der US-Glaubwürdigkeit – und erste Erfolge für Xi
Schon jetzt zeigen sich erste Früchte dieser Strategie: Südkorea, Japan und China haben Verhandlungen über eine asiatische Freihandelszone wieder aufgenommen – ein geopolitischer Paukenschlag. Noch vor wenigen Jahren galt Peking für Tokio und Seoul als Bedrohung – nun erscheint es vielen bereits als berechenbarerer Partner als die USA. Dass diese Entwicklung ausgerechnet durch einen US-Präsidenten begünstigt wird, der sich als Patriot inszeniert, aber faktisch den Rückzug Amerikas aus der Weltordnungspolitik betreibt, ist eine der bittersten Ironien der Gegenwart.
Der demonstrative Trotz Pekings – und die Schwäche Trumps
Xi Jinping verfolgt dabei auch ein machtpolitisches Ziel: Er will demonstrieren, dass er sich dem Druck aus Washington nicht beugt – und sich keinesfalls wie die Regierungschefs südostasiatischer Staaten zum tributpflichtigen Juniorpartner degradieren lässt. Im Gegenteil: Er beansprucht die Fähigkeit, der amerikanischen Wirtschaft gezielt Schaden zuzufügen. Und dieser Schaden wird real: Produkte des täglichen Bedarfs, einst aus China zu Schleuderpreisen importiert, werden für US-Bürger zunehmend unerschwinglich. Trumps Zölle treffen die eigene Bevölkerung – doch im Stil eines Autokraten schiebt er die Verantwortung anderen zu und verschärft dadurch die innenpolitische Instabilität.
Die Destabilisierung Amerikas als strategisches Ziel Pekings
Genau das spielt Xi in die Karten. Denn aus Sicht der KP Chinas liegt der größte Trumpf in der systematischen Erosion des sozialen Gefüges der USA. Eine verarmte, gespaltene Gesellschaft, die den inneren Feind in Washington sucht, wird außenpolitisch gelähmt. Dass eine solche Destabilisierung in Peking als strategisches Ziel verfolgt wird, ist kein Geheimnis. Im Gegenteil: Die gegenwärtige Hochstimmung in der KP-Führung ergibt sich aus der Einschätzung, dass die Repression in China ihre Herrschaft nicht gefährdet – wohl aber ein wirtschaftlicher Einbruch in den USA das Machtgefüge der westlichen Demokratien ins Wanken bringen könnte.
Auf dem Weg zur finalen Konfrontation
Bleibt die Frage: Steuern die USA und China auf einen offenen militärischen Zusammenstoß zu? Die Antwort ist beunruhigend. Sollte sich die Eskalation auf wirtschaftlicher Ebene fortsetzen und in beiden Ländern soziale Spannungen befeuern, ist ein künftiger Konflikt keineswegs ausgeschlossen. Und er wird – wie so oft in der Geschichte – unter politischer Flagge geführt werden, nicht unter ökonomischer. Der neue Kalte Krieg, der längst im Gange ist, könnte bald heiß werden.
Und Donald Trump? Er bleibt, wie schon in der Vergangenheit, der unfreiwillige Geburtshelfer einer neuen Weltordnung, die von Autokraten dominiert wird – und von der einstigen Führungsmacht des Westens nur noch in nostalgischen Reden gesprochen wird.